Schweizer Großbank UBS schützt Steuersünder und Verzocker-Personal!
Die USA bezichtigen die Schweizer Großbank UBS mit Niederlassungen in den USA der aktiven Beihilfe zur Steuerhinterziehung von mehr als 50.000 Kunden.
Die US-Steuerbehörde fordert seit über einem Jahr eine Kundenliste, nachdem der ehemalige Kundenberater der UBS Birkenfeld im Juni 2008 der US-Regierung die Mithilfe an Steuerbetrug als Kronzeuge darlegte.
Geheimgesellschaft UBS
Während die UBS im Justizstreit dem Bankgeheimis bislang oberste Priorität einräumte, betont das US-Ministerium die Bankpflicht, beim Tatverdacht der Steuerhinterziehung die Tatsachen auf den Tisch legen zu müssen.
Im Justizkonflikt bemühte sich die UBS um eine Einigung, denn die Justizbehörden droht mit Klage. Im Februar stimmte sie dem Deferred Prosecution Agreement zu, nicht neu saldierte Konten von sogenannten „dormant accounts“(=anonyme Konten), wie es die UBS von entsprechenden Kunden mit einem Ultimatum forderte, einzufrieren. Im Jahr 2001 gab es zwischen UBS und USA das „Qualified Intermediary“-Abkommen, das besagt, dass die Identität der US-Kunden der UBS genannt werden müssen oder den Verzicht auf Vermögensanlagen in US-Wertpapieren.
Somit steht die UBS jetzt unter Handlungszwang und fror die anonymen US-Kundenkonten ein, obwohl das Tausende Anleger verärgert. Diese hatten bislang jedoch genügend Zeit, ihre anonymen Konten in namentlich gekennzeichnete Konten umzuwandeln. Die hartnäckigen Steuersünder kommen nun vorläufig nicht mehr an ihr Geld heran!
Steueroase Schweiz
Die Gefahr eines Urteils, das eine komplette Offenlegung der von US-Amerikanern angelegten Konten zur Folge hätte, wäre für die UBS jedoch der härtere Schlag. Und andere Nationalstaaten könnten nachziehen. Die US-Steuerbehörde IRS fordert indes weiterreichende Einsichten. Am 13. Juni findet eine erste Anhörung vor dem zuständigen Gericht in Florida statt.
Die Steuerhinterziehung der US-Kunden der UBS wird auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt und sind beleibe keine Peanuts. Von Steuerhinterziehung in andern Nationalstaaten der UBS ganz zu schweigen. Die Finanzkrise setzt nicht nur den US-amerikanischen, hochverschuldeten Haushalt massiv unter Druck, sondern auch die schwer angeschlagene UBS.
In der Schweiz unterscheidet man zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug, was die Schweiz gerade als Steueroase möglich machte. Gelder aus vielen Staaten, darunter auch Deutschland flossen am Fiskus vorbei in die Schweiz. Die Liechtenstein-Datenaffäre brachte Bewegung in diesen Sumpf. Die USA hat kein Verständnis für schweizerische Steuerrechts- Augenwischereien. Schon gar nicht in der Krise.
Bisher trennte sich die UBS von sündigen Mitarbeitern, nicht jedoch von ihrer oberflächlich weißen Weste. Ihre Neutralitätshaltung gegenüber dem Gebaren ihrer Kunden stellt jedoch eine Vorteilnahme dar, die bei den US-Behörden auf keine Gegenliebe stößt.
Die UBS – eine neoliberale Ausbeutungsgesellschaft im Weltformat
1998 fusionierten die zwei Schweizer Großbanken „Schweizer Bankgesellschaft“ und „Schweizerischer Bankverein“ zum Konzern UBS AG. In 50 Ländern vertreten, beschäftigte er 2007 mehr als 83.000 Mitarbeiter weltweit und verwaltete als weltgrößter Vermögensverwalter ein Volumen von 3,9 Billionen Schweizer Franken.
Investmentgeschäft
2004 stieg sie massiv ins Aktiengeschäft ein. Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel steckte kein geringeres Unternehmensziel als die Nummer 1 im Investmentbanking zu werden.
Die Gründung eines Trading Floors im US-amerikanischen Stamford umfaßte die Größe zweier Fußballfelder. 30.000 Mitarbeiter arbeiteten an nichts anderem als am spekulativem Renditegeschäft. Damit stampfte sie ihr bankeneigenes Investmentcasino mit den entsprechenden Risiken aus dem Boden.
Risikoreiche Hedgefonds-Gründung
Das Hedgefondsgeschäft an der Börse fing an zu boomen. Fähige UBS-Mitarbeiter wanderten ab. 2005 legte die UBS ihren eigenen Hedgefonds DRCM (=Dillon Read Capital Management) als eigenen Geschäftsbereich auf, zu dem unter der Leitung von John Costas 120 fähige UBS-Broker wechselten, um das ganz große Geschäft für sich und die UBS zu machen. Luqman Arnold, Vorgänger von Wuffli, warnte vor diesem Schritt.
Der klassische Investmentbereich der UBS litt an der firmeninternen Konkurrenz und bemühte sich, Schritt zu halten. Beide Bereiche stiegen massiv in das US-amerikanische Immobiliengeschäft ein.
Warnungen vor Subprime-Krediten wurden in den Wind geschlagen.
Banker-Egomanie und „Doppelblind“-Risikobewertungen
Den Charakter dazu, als Banker einem Kunden zu sagen: ‘In Deinem Interesse ist es besser, eine bestimmte Hypothek oder Höhe der Hypothek nicht aufzunehmen’, hatte keiner mehr. Es ging um das schnelle Geschäft mit risikobehafteten Wertpapieren. Man glaubte den Triple A-Bewertungen auf die CDO-Papiere.
Doch die Risikobewertungs-Institute konnten die zu komplexen neuen Wertpapieren vermischten Aktien und Standardwertpapiere selbst nicht mehr richtig einschätzen und unterwarfen sich der allgemeinen „Think positive!-Devise“. Schnell setzte man ein Häkchen auf „Alles Super“, wie überhaupt Mitte der ersten Milleniumsdekade „alles super“ war, was im Börsengeschäft ablief. Keiner machte sich die Mühe, die Holzhüttle, wie die Schweizer zu einfachen Fertighäusern sagen, in Cleveland und anderswo mal auf ihre Werthaltigkeit vor Ort zu inspizieren.
Während die Bilanzsumme von UBS wuchs und wuchs und auf 3 Franken Eigenkapital bereits 97 Franken Fremdkapital 2006 kamen, konnten die „Holzhüttle-Bewohner“ ihre Hypothekenraten bereits nicht mehr bezahlen.
GEFÜHLTE! Risikobewertung bei der UBS
Im Februar 2007 verzeichnen Marktbeobachter erste Einbrüche im Immobilienmarkt. Erste Banken steigen aus, weil sie den hochgeschnellten Kursen nicht mehr trauen. Doch UBS investiert pro-zyklisch aggressiv weitere 20 Milliarden Schweizer Franken. Man will ja die Nummer Eins im Investmentsektor werden. Insgesamt hat man zu diesem Zeitpunkt 60 Milliarden SFr ins amerikanische Investmentgeschäft investiert.
Immer noch hatte der Verwaltungsrat laut seinem späteren Präsidenten Peter Kurer (ab 04/2008) und Nachfolger von Marcel Ospel, wie er wörtlich im Schweizer Fernsehen bekundete, „das Gefühl“, dass die Risiken der Pfandbriefe und deren Derivate durch den beinhalteten Wertpapiermix akzeptabel seien.
Am 3. Mai 2007 wird der UBS-Hedge-Font von Costas, DRCM, geschlossen. 145 Millionen Franken Verlust laut Aktionärsbericht. Peter Wuffli, Konzernchef seit 2001, wird erstmal intern und extern kritisiert.
Der Finanzkrisen-Tsunami baut seine Wellen auf
Am 28.Juni 2007 trifft sich der UBS-Verwaltungsrats UBS und stützen nochmal ausdrücklich Marcel Ospels Wachstumsstrategie. Sie hoffen auf ein Rekordjahr und glauben, mit der DRCM-Schließung sei ein Spekulationsmißgeschick weggesteckt und der Boom gehe weiter.
Von drohender Subprime-Krise kein Wort.
Am 29. Juni 2007 beginnt die Finanzkrise. Ausgerechnet einen Tag nach der Verwaltungsratssitzung der UBS. Ausgangspunkt ist die Bank Bear Stearns! Drei ihrer Hedgefonts haben Probleme. Deswegen beantragen auf den Cayman Islands sitzende Liquididatoren Gläubigerschutz beim New Yorker Gericht. Der Finanzkrisen-Tsunami baut seine Wellen auf. Ein Jahr später ist Bear Stearns endgültig pleite und J.P.Morgan Chase & Co. Schluckt das Unternehmen, während die Welt von Geldwertverlusten und -verschiebungen überrollt werden, deren Ausmaß historisch einmalig ist.
Fast alle Notenbanken haben die Vehemenz des auf die Subprime-Finanzkrise folgenden Finanzkrisen-Tsunami unterschätzt. Das zeigt, wie sie den Geist, den sie aus der Flasche ließen, nicht mehr berechnen konnten. Devil ex machina.
Personalrotation statt Krisenmanagement
Bereits im November 2007 wird Peter Wuffli in Valencia durch Marcel Rohne ersetzt. Völlig überraschend. Offiziellen Meldungen zufolge sei es lediglich ein Generationenwechsel. Hat Wuffli wie eine Ratte rechtzeitig das sinkende Schiff verlassen?
Am 14. August 2007 gibt Wüfflis Nachfolger Marcel Rohner an für die UBS eine sogenannte „Gewinnwarnung“ heraus. Das ist eine Pflichtwarnung an Anleger, dass die erwartete Prognose für das nächste Quartal höchstwahrscheinlich nicht erreicht werden kann und der Kurs einbrechen wird.
Dann geht es Schlag auf Schlag:
Finanzkrisen-Talfahrt der UBS AG
4 Milliarden Franken Abschreibung im Oktober 2007, weitere 1,5 Mrd SFr im November. Im Dez. 2007 zerrt UBS panikartig 2 Investoren an Land, die 13 Mrd SFr in die UBS einschießen, wie es im Fachjargon heißt.
Im Januar 2008 müssen wieder 11 Mrd SFr für tot erklärt werden.
UBS hat im Februar 2008 demzufolge insgesamt bereits 20,9 Milliarden Franken seit Krisenbeginn abschreiben müssen. Die weiteren 19 Milliarden Verluste, die am 01. April 08 zu Buche schlugen, waren kein Aprilscherz. Nun hatte die UBS bereits einen Wertverlust von 40.000.000.000 Schweizer Franken, umgerechnet zum damaligen Kurs knapp 63 Milliarden Euro.
Einen Monat später verzeichnete UBS wieder 1,5 Mrd neuer Verluste.
Finanzkrisentäter werden belohnt
Konzernchef Ospel verzichtet 2007 zwar auf seine Boni, aber die Anlagen seiner Bank reichen 5 Jahre zurück und die hatte er mitzuverantworten. Im Jahr 2004 bekam Ospel 21 Millionen Franken, in 2005 24 Millionen Franken und 2006 26,6 Millionen Franken, macht zusammen 71,6 Millionen SFr , was zu damaligem Zeitpunkt mehr als 115 Millionen Euro entsprach.
Da könnte jeder mal auf die Boni von einem einzigen Jahr verzichten, ohne sein Privatflugzeug gleich verkaufen zu müssen. Und er steht ja nur an der Spitze der UBS-Abzocker und des gesamten Spielsystems, das die Welt in eine Weltwirtschaftkrise stürzte, während die Täter ihre beiseite geschafften Goldschätze genießen.
Der Chef des geschlossenen Hedgefondes DRCM, Costas, erhielt für seine Zockerei 180 Millionen Dollar, das entsprach am 01.01.2008 einem Wert von 122,27 Millionen Euro. Mit beiden Beträgen hätten sie den Bau des alten World-Trade-Center finanzieren können (=280 Mio Dollar ). Oder aber 2 Millionen Kinder in Ghana und anderswo ein Jahr lang sättigen, was die unendlich bessere „Anlage“ wäre.
10 Jahre umsonst gearbeitet und dafür den Bankwert nachhaltig geschädigt
Für die UBS selbst war das 10jährige Investmentgeschäft ein Nullsummenspiel. Außer Spesen nichts gewesen. Der Marktwert heute glich Anfang 2008 dem von 1998. 10 Jahre umsonst gespielt. Nicht die Zocker privat. Aber das Unternehmen selbst. Doch das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.
Im Oktober 2008 bedarf die UBS der Staatshilfe. Ein Paket wird mit Staat und Nationalbank von insgesamt 68 Milliarden SFr für die Auslagerung der Problemengagements geschnürt. 60 Milliarden sollen in eine Bad Bank ausgelagert und dort liquidiert werden. Dafür haut die UBS 6 Mrd. Dollar dann für die Bad Bank raus. Die Nationalbank die anderen 54 Milliarden. Nach und nach müsse die Bad Bank die Summe zurückzahlen. Zunächst 1 Milliarde Dollar an die Schweizer Nationalbank, dann alle weiteren Milliarden hälftig an UBS und Nationalbank.
Ob das gut geht, weiß keiner.
Kampf um Schadensbegrenzung angesichts leerer Staatskassen
Von außen und von innen wächst der Druck auf die Zockerbank UBS weiter. Beispielsweise zwang die US-Justiz die UBS in einem Vergleich Auction Rate Securities in Höhe von 5 Milliarden Dollars zurückzukaufen. Lag der UBS-Aktienkurs Mitte 2006 bis Mitte 2007 in Frankfurt bei etwa 48 Euro, liegt er jetzt bei ungefähr 10 Euro, Tendenz fallend. Mitte Februar 2009 erreichte die UBS-Aktie ein Rekordtief von etwa 5 Euro.
So gesehen hat das Spekulationsgeschäft nicht nur nichts gebracht, sondern dem UBS-Konzern nur geschadet. Anlegern auch. Dem steuerzahlenden Volk erst recht. Sie bezahlen die Zeche. Direkt und indirekt. Mit Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Lohndumping,Steuern, verlängerter Lebensarbeitszeit bei geringeren Renten und Krankenkassenleistungen. Die meisten von Ihnen hinterziehen nicht ihre Steuern mittels des berühmten Schweizer Nummernkontos, beispielsweise bei der UBS. Und nun klagt die USA die UBS auf Offenlegung der Steuersünder. Richtig so. Hoffentlich gelingt es! Frau Merkel möge nachziehen oder abtreten.
© Autor: Harald Schuster
Tags: Bankenskandal, Börse
