QUELLE-Konzern vor dem Aus?
Mehrere tausende Arbeitsplätze sind gefährdet. Lehnt die Bundesregierung
Nothilfe für Quelle ab, geht ein weiteres Traditionsunternehmen in die Insolvenz.
Am Abend des 30.06.09 wurde über die Zukunft des Versandhändlers Quelle entschieden, welches in die Insolvenz geriet. Quelle ist das Tochter-Unternehmen des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor und benötigt Kapital, um neue Kataloge drucken und versenden zu können.
Damit würde der weitere Bestand gesichert sein. Bei dieser Finanzspritze wird über eine Geldsumme von
50 Millionen Euro gesprochen. Am Nachmittag des 30.06. kam der interministerielle Arbeitskreis (Bürgerschaftsausschuss) zusammen.
Bisher sagten Bayern und Sachsen zu, 25 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Der übrige Geldbetrag sollte vom Bund gezahlt werden. Nach Äußerungen soll besonders das Wirtschaftsministerium zögern, welches von Karl-Theodor zu Guttenberg geleitet wird. Bislang fehlten ihm noch ausreichend Sicherheiten. Die Süddeutsche Zeizung berichtete jedoch, die Regierung hielte Quelle für überlebensunfähig.
Diese Meinung wird jedoch nicht von der bayrischen Staatskanzlei vertreten, da nach Angabe des Quelle-Betriebsrates über 10.000 Arbeitsplätze hängen. Das Schicksal des Fürther Versandhändlers beschäftigt auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Guttenbergs Parteichef forderte die Regierung Berlins auf, sich an dem Kredit zu beteiligen.
Am Wochenendes bereits übergab er der Bundeskanzlerin Angela Merkel die Verantwortung für die Rettung von Quelle. Merkel solle dafür Sorge tragen, dass es eine positive Entscheidung gebe. Die Forderungen der Regierung nach alternativen Sicherheiten sei für ihn nicht nachzuvollziehen. “Man muss langsam die Frage stellen: Gefährdet Politik die Arbeitsplätze durch ihr Verhalten?”, so Seehofer.
Allerdings hatte Merkel diese Forderung zurückgewiesen. Die Prüfungen der verantwortlichen Ministerien für Finanzen und Wirtschaft würden mit Hochdruck laufen, betonte die CDU-Parteivorsitzende. Sie solle sich zwar über den Fortgang informieren lassen, die Zuständigkeiten sollel aber unverändert blieben.
Die dauerhafte Prüfung des Kredits erklärte Merkel damit, dass dabei ebenfalls die strengen Vorgaben der Europäischen Union (EU) für staatliche Hilfe einzuhalten wäre.
Die dazu gehörige Entscheidung der Europäischen Kommission steht jedoch noch aus. Wie ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums am Montag in Berlin verkündete, soll man den Massekredit bereits am vergangenen Donnerstag vorsorglich bei der EU angemeldet haben. Anschließend soll es auch Gespräche und aus Brüssel die Zusicherung gegeben haben, um das Vorhaben schnell prüfen zu können.
Eine Entscheidung soll es allerdings noch nicht geben.
Jedoch soll dieser Notkredit Quelle nur vorübergehend über Wasser halten. Ledigliches Ziel einer Staatshilfe sei es, die Zeit bis zum Einstieg eines Investors beziehungsweise einer Sanierung zu überbrücken, laut der Bundesregierung. Das soll der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert
Görg selbst stets betont haben.
Quelle soll kaum um den Arbeitsplatzabbau herumkommen. Ohne den Staatskredit, über welchen Anfang nächster Woche entschieden werden soll, bliebe Quelle nur ein Neuanfang nachdem wieder
Geld fließt.
Der Mutterkonzern von Quelle, Arcandor, gab zu, die Konten bei Quelle am 09.06.09 kurz vor der Insolvenz leergeräumt zu haben. Somit verfügt Quelle über keinerlei eigene Barmittel. Arcandor verteidigte sich damit, dieses “Cash-Pooling” sei ein übliches Instrument in Konzernen. Angeblich seien diesem Verfahren bis zur Insolvenz-Anmeldung sämtliche 100-prozentigen Töchter angeschlossen gewesen, so Finanzvorstand Rüdiger Günther.
Mit diesem System könnten “temporäre Kontenunterdeckungen in einzelnen Unternehmen durch Überschüsse anderer am Cash-Pooling teilnehmender Unternehmen sehr schnell ausgeglichen werden”. Jedoch ohne das Verfahren hätte eine Insolvenz “auf keinen Fall verhindert” werden können, versicherte er. Aber es stehen somit zur Staatskreditsabsicherung keine Quelle-Barmittel als Sicherheit bereit.
Sichtlich besser als für Quelle sind unterdessen scheinbar die Aussichten für die Arcandor-Warenhaustochter Karstadt. Laut Welt am Sonntag sollen indesse 15 potenzielle Investoren Interesse an Karstadt-Filialen bekundet haben. Als potenzieller Favorit solle weiterhin Konkurrent Metro gelten, der mit seiner Tochter Kaufhof auf eine Warenhaus-Allianz dringt und einen großen Teil der Karstadt-Häuser übernehmen will.
