Organisierte Wirtschaftskrise: Beispiel „Familie Schaeffler KG“
Die Wirtschaftskrisengeschichte des 21. Jahrhunderts wird in Deutschland systematisch nach altem Drehbuch fortgeschrieben. Man schüttet Benzin in den Brandherd und hofft, dass der Sauerstoff ausgeht!
Das angeschlagene Autozulieferer-Familienunternehmen Schaeffler KG bat den Staat im Februar diesen Jahres um Hilfe, vergnügt sich aber gleichzeitig mit nahezu 5 Milliarden Privatvermögen und bietet dem Staat als Alternative zu seiner Zahlungsverweigerung nunmehr Stellenabbau an.
Die Schaefflergruppe legte nun ein Sanierungskonzept vor, bei dem 4500 Stellen abgebaut werden sollen, um damit Personalkosten von 250 Millionen Euro einzusparen. Die Sanierung von Wirtschaftsunternehmen wird zu Lasten einer Armutskontaminierung eines Volkes ausgetragen.
Die Expansionsgier hatte das Unternehmen zuvor veranlasst, schuldenfinanziert den Reifenhersteller Continental noch im zweiten Krisenhalbjahr 2008 zu übernehmen. Anschließend bat Frau Maria-Elisabeth Schaeffler persönlich die Bundesregierung um Staatshilfe. Sie hätten die Kosten der Aktienausfälle nicht kalkuliert, die mit der Übernahme der Continental AG entstanden. Die Regierung lehnte ab. Nun stehen 4500 Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Wer aber bezahlt nach Ihrer Entlassung diese 4500 Menschen mit 250 Millionen, die ihnen zu ihrem Lebensunterhalt jährlich zustehen? Auch wenn das Arbeitslosengeld für 4500 Menschen scheinbar weniger kostet als 250 Millionen Personalkosteneinsparung, wird es ein Deutschland mindestens genausoviel kosten:
250 Millionen: 4500 = 555555,55 € durchschnittliches Jahresverdienst, also 4629,63 € monatliches Gesamtbrutto (einschließlich Arbeitnehmeranteil an der Sozialversicherung gerechnet.)
Davon ein Jahr lang 67% Arbeitslosengeld I, 75% mit Kindern, plus Rentenversicherungskosten, plus Krankenversicherungskosten plus Vermittlungskosten plus Verwaltungskosten. Die geringeren Krankenversicherungsbeiträge verschärfen die Krankenkassenkrise. Geringere Krankenkassenbeiträge bewirken weniger Solidarsystemeinnahmen bei den Krankenkassen. Die geringeren Rentenpunkte, die bei Lohnersatzleistungen ohnehin Steuerzahlerkosten sind, treiben unser Rentensystem weiter an die Grenze zum Kollaps.
Dazu muss man die wegfallenden Einkommens- und verringerten Umsatzsteuereinnahmen ebenfalls addieren. Die 250 Millionen Euro, die Frau Scheffler einspart, muß der Steuerzahler anschließend jährlich bezahlen, sofern dieses Arbeitsplatzvolumen vom Gesamtarbeitsplätzevolumen in Deutschland einfach weggestrichen wird.
Die Tendenz zu immer weniger und schlechteren Arbeitsplätzeangeboten ist offensichtlich.
Dank modernster Technik und Rationalisierung werden immer weniger Arbeitskräfte bei gleicher Produktionsmenge gebraucht. Der dringende Bedarf an Krankenschwestern, Pflegekräften und Lehrern müsste ja aus den produktiven Sozialbeiträgen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und nicht aus den Umsatzzahlen eines Unternehmens finanziert werden.
Einkommensteuerzahler sind etwa 40 Millionen Erwerbstätige, die immer mehr arbeiten müssen, um diese Last zu schultern. Rente bis 67, Wiedereinführung der 40 Stunden-Woche, keine 13ten Monatgehälter mehr, kaum noch Weihnachts- und Urlaubsgeld, Lohnerhöhungsnullrunden, während das Geld weniger wert geworden ist.
Doch Steuerzahler sind alle Bundesbürger. Jeder zahlt bei jedem Geschäft, das er tätigt einen Anteil an den Staat. Mit dem Alete-Glas für den Säugling genauso wie für die Inkontinenz-Windeln im Pflegeheim.
Die Kosten, die man aufwenden muss, um ein zunehmend wütendes Volk zu beruhigen, sind ebenfalls in Rechnung zu stellen: Almosen-Steuergeschenke und klägliche Nachbesserungen bei Hartz IV. Für die Kinder in Hartz-IV-Familien mussten gar die Gerichte höhere Bedarfszahlen der Regierung unter die Nase reiben.
Wenn der Mehrheit der deutschen Steuerzahler immer mehr aufgebürdet wird, werden die Krankenkosten und Frühverrentungskosten ebenfalls steigen.
Dies ist zweifellos kein Weg aus der Krise. Während immer weniger und immer schlechtere Arbeit angeboten wird, träumen die alten Systemverehrer immer noch die Hoffnung, mit einer Ankurbelung des wirtschaftlichen Schwungrades werde alles wieder gut. Das Schwungrädchen der Reichen dreht sich noch immer munter weiter, während die Masse der Menschen in unserem Land verarmt.
Ein Viertel der Deutschen leben unterhalb der Armutsgrenze. 90 % der Bevölkerung von Deutschland besitzen zusammen gerade mal 40% des Gesamtvermögens.
9 % der Bevölkerung besitzen weitere 35 % des Gesamtvermögen und 1 % der Bevölkerung, also 800.0000 Menschen von 82 Millionen besitzen ein weiteres ganzes Viertel des gesamten Vermögens der Bundesrepublik. Das ist ein Skandal!
Doch im Zuge der Wirtschaftskrise in Deutschland stellt sich zudem die Frage, ob das Transportmittel „Auto“ tatsächlich eine Schlüsselindustrie ist oder ob vielmehr eine Subvention der Existenzgüter, sprich der Nahrungsmittel, der Kleidungsindustrie, der Mietkosten, der familienfreundlichen Zeit- und Umweltgestaltung, der öffentlichen Transportmittel sowie der Ausbau umweltfreundlicher Energiesysteme und Kommunikationstechnologie staatlicherseits erfolgen sollte, anstatt in automobil- und geldfetischistische Wirtschaftszweige Steuergeld zu versenken mit der Aussicht auf vermehrte Klimakosten und dauerhaften Geldverlusten in subventionierten Finanzinstituten!
© Harald Schuster
Tags: Arbeitslosengeld, Automobilindustrie, Finanzkrise, Hartz-IV
