Kettenreaktion: Hertie wird mit „Finanzgier-Krise“ an die Wand gefahren

Wie am vergangenen Mittwoch bekannt wurde, sind alle Verhandlungen der Hertie-Warenhauskette mit den Gläubigern gescheitert. Die Monopoly-Spiele der „Karstadt-Quelle-Hertie“-Eigentümer der letzten Jahre bereicherten jene, doch die Abschöpfung des Kapitals aus der Warenhauskette Hertie ist vollbracht.

Die Kette steht vor ihrem Existenztod und 2600 Mitarbeiterinnen (2005 waren es noch 3400) aus 54 Hertie-Warenhäusern (2005 waren es noch 73) dürfen ab Juli ihr in die Arbeitslosenversicherung einbezahltes Geld gedemütigt und in 2/3-Monatsportiönchen ihres bisherigen Netto-Gehaltes wieder bei der Arbeitsagentur abholen.

Währenddessen verteilt der BA-Chef Frank Weise dann ihr restliches Erarbeitetes auf die Kurzarbeiter der Republik und redet von Gewinnen der Arbeitsagentur, wenn Versicherungsrücklagen gemeint sind. Diese dürften wohl im Herbst aufgebraucht sein.

Mitarbeiterinnen von Hertie und alle übrigen Arbeitslosen dürfen sich dann von Leuten wie dem Präsident des CDU-Wirtschaftsrates, Herrn Lauk, im Sender “Phoenix“ anhören: „Der, der arbeitet, soll mehr verdienen, als der, der nicht arbeitet! Das ist ein altes Prinzip!“. Als würden die Hertie-Mitarbeiterinnen nicht weiterarbeiten wollen und als wären Arbeitslose arbeitsunwillig.

Im weiteren werden die Hertie-Arbeitnehmerinnen dann ein Jahr später auf Hartz-IV geschröpft, und müssen dann ihr Privatvermögen verflüssigen, obwohl sie ja schon Lohnkürzungen zugunsten der Rettung der Kaufhauskette hingenommen haben. Alles umsonst. Die Finanziers hinter Hertie hingegen dürfen ihr Privatvermögen weiter behalten.

Bei genauer Betrachtung der Historie dieser Situation ist deutlich erkennbar, wie der Kollaps entstand: Die Discountermärkte bieten einem einkommensarmen Volk die Waren günstiger an als Quelle/Karstadt.

Über Niedrigstpreise im Einkaufsbereich und magerste Löhne von Herstellern kann ein Volk bestehend aus 70% Unterschicht wenig nachdenken, denn es braucht billige Lebenshaltungskosten zur Existenzsicherung. Das nutzen Discounter aus.

Ein Teufelskreis nach unten, den die Eigentümer bei einem Unternehmenszusammenbruch meistens wenig betrifft. Sie haften überwiegend nur mit ihrem Firmen-Einlagevermögen. Sie haben bis dahin, so wie die Familie Schlecker um ihr Privatanwesen, überwachte Mauern um ihren erhorteten Besitz gebaut. Und dieser reicht zumeist lebenslänglich für das Wohlleben!

Jetzt hat der Preiskampf die unflexible Großkaufhauskette „Hertie“ getroffen.
Die KarstadtQuelle AG geriet 2005 finanziell unter Druck und trennte sich von 73 großen Warenhäusern, die als „Hertie“ weiterliefen. Die englische Finanzgroup Dawnay Day übernahm die Immobilien (Wert 2,2 Milliarden Euro=87% Wertananteil) und das englisch-amerikanische Investmentunternehmen Hilco UK Ltd. Waren und Ausstattung(Wert 28 Mio = 13 % Wertanteil)).

Dawnay Day verspekulierte sich im Immobilien-Investment-Geschäft und musste 2008 Insolvenz anmelden. Die niederländische Tochter Dawnay Day Mercatoria Acquisitions (DDMABV) übernahm die Immobilien.

Das Jonglieren mit Immobilien funktioniert an der Börse besser als mit Warenhausartikeln. Geht das Warenhausgeschäft baden, bleiben die Immobilien. Und jetzt ist es soweit. Statt der üblichen 5% Miete vom Umsatz zahlte Hertie an Dawnay nahezu 20%. Es muß sich ja rentieren. Für Dawnay.

Dawnay hatte bei der Übernahme die Hertie-Werte per Hedgefond an der Londoner Börse platziert. Die deutsche Bank hat die Immobilien im Wert von 2,2 Milliarden Euro gegen-finanziert und die General-Motors-Finanzfirmentochter GMAC aus Detroit Waren und Ausstattung im Wert von 28,4 Millionen Euro. GM steht nun ebenfalls vor dem Ruin und Opel schwimmt gegen den Untergang (wir berichteten). Die Tochter im Finanzwirtschaftsgeschäft der USA benötigt und bekommt Staatshilfen von 7,5 Milliarden US-Dollars für ihre Weiterexistenz! Amerikas Steuerzahler zahlen.

Spekulieren um jeden Preis. Heuschreckenverhalten eben! Den Umsätzen und Mitarbeiterinnen der Hertie-Kette half das wenig. Im März 2009 wurden bereits zur Rettung von Hertie 19 Häuser geschlossen und 600 Mitarbeiterinnen in die Arbeitslosigkeit geschickt.

Obwohl 2007 ein Finanzierungspaket von 55 Millionen Euro zur Modernisierung der Warenhäuser mithilfe der GMAC bereitgestellt werden sollte, verpufften die Absichten. Lediglich eine neue Filiale wurde eröffnet. Überholung der Häuser, Verbesserung des Einkaufs und der Logistik blieben aus. Die Mietpreise für die Häuser hielt man weiter hoch.

Bevor man die komplexen Ausgliederungen, Verflechtungen, Übernahmen, Beteiligungen im weiteren darstellt, betrachtet man lieber das Ergebnis: Hertie ist abgegrast!

Die Chefs hinter Dawnay Day gehören zu den 350 reichsten Briten laut „The Times“. Hertie steht vor dem Aus! Peng! Das war’s! Monopoly-Spiel zu ende. Die Gewinner ziehen sich mit ihrem Privatvermögen zurück. Die Verlierer dürfen sich beim Fiskus in die lange, lange Arbeitslosenschlange stellen.

Die Zweckmäßigkeit eines vormaligen Finanzkrisenrisikos funktioniert zugunsten des Privatbesitzes der MENSCHEN hinter dem Investmentbanking-Wesen, auch wenn ihre vorgeschobenen Firmen pleite gehen und sie weinend vor die Presse treten.

Wie lange diese staatslegalisierte Finanzwirtschaftskriminalität noch funktioniert, hängt vom Verhalten der Regierung und des Volkes im weiteren Wirtschaftskrisenverlauf ab. Unübersehbar und gnadenlos schränkt sie die Lebensqualität der meisten Deutschen weiter ein!

Die Gewaltenkontrolle, die im Rechtswesen der Republik im Rahmen der Gewaltenteilung im Jahr des Grundgesetz-Geburtstages noch recht gut ihre unbestechliche Kraft erweist, funktioniert in der Wirtschaft nicht. Wieso eigentlich nicht?

© Harald Schuster

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