Ist die Finanzkrise Ergebnis einer Verschwörung?
Ein so mächtiger Finanzkrisen-Tsunami, wie er im Herbst 2008 über die Welt hinwegfegte, kann doch nicht einfach das Ergebnis eines unkalkulierten Dominoeffekts gewesen zu sein. Hat eine kleine Elite die Krise geplant, um nun Kapital daraus zu schlagen oder haben sich Mängel des Weltfinanzsystems aufgetürmt und letzte Fehlentscheidungen zum Finanztschernobyl entwickelt? . Sicher ist jedenfalls, dass ein Tsunami kein gewöhnlicher Jahreszeitenwechsel und die Finanzkrise keine konjunkturzyklische Schwankung darstellt!
Der menschliche „Verschwörungsgeist“
Der menschliche Geist hinterfragt seit dem biologischen Aufstieg seines Sprachvermögens nach den wirklichen Hintergründen des Seins. Wie ist der Lauf der Sterne? Was befindet sich hinter dem Horizont? Was kommt nach dem Meer?
So entdeckte Kolumbus Amerika, Astronomen das Rund der Erde, Galileo und Kopernikus die Sonne als Mittelpunkt unseres Sonnensystems, um die die Erde als einer von mehreren Planeten kreist! So entdeckte und entwickelte der Mensch die Möglichkeiten, Metalle zu gewinnen und zu formen, die Wirkung der Elektrizität, das Hebelgesetz, den Flaschenzug, den Hefeteig, das Rad, die Dampfmaschine, den Elektromotor, den Verbrennungsmotor, Auto, Motorschiffe, Flugzeuge, den Transistor, das Radio, das Fernsehen, den Mikrochip, das Telefon, High Tec, Computer, Internet, Speichermedien und Mikroprozessoren. Mit Telefon, Internet, Flugzeugen und Schiffen hat der Mensch die Welt vernetzt. Doch der Geist fragt weiter und weiter.
Stimmt es, dass nichts schneller als das Licht ist, wie in Einsteins Universum bislang gültig ist? Warum beschleunigen die Galaxien in einer Weise, die mit den berechenbaren Mengen an Materie überhaupt nicht zu den Gravitationsgesetzen passen?
Gibt es eine sogenannte dunkle Materie, die nicht mit Protonen, Elektronen und Neutronen funktioniert, die aber 75% der Gravitationskräfte beinhalten müsste, damit die beobachteten Beschleunigungen erklärbar wären? Oder herrschen in verschiedenen Galaxien verschiedene Gravitationsgesetze? Könnte man ein Eiweißspeicher bauen? Was verrät die Sprache der DNA? Wie funktioniert das Gehirn?
Einerseits forscht unser Gehirn nach den wahren Zusammenhängen, nach der Wirklichkeit hinter der evidenten Wirklichkeit; nach der Wahrheit hinter der offiziellen Wahrheit - und andererseits gehorcht das Gehirn der vorgegebenen Struktur seines Aufbaus. So wie ein Fotoapparat die Bilder, die er ablichtet, nur mit soviel Pixeln genau wiedergeben kann, wie auf seiner Fotofläche vorzufinden sind, so kann der Mensch nur in den Strukturen wahrnehmen und schlußfolgern, die seinem Gehirn eigen sind.
Vereinfacht gesagt, findet man draußen vor, was drinnen vorgegeben ist. Aber auch das Unbekannte, Unentdeckte, Neue ist dort vorgegeben. Und darin unterscheidet sich das Gehirn von einem Fotoapparat. Ein geheimnisvoller Geist interagiert fortwährend mit Innen- und Außenwelt und läßt sich nicht einfach in einer nachvollziehbaren Funktion beschreiben.
Der menschliche Geist will jedoch nicht nur Wahrheit wissen, er sucht auch für Niederlagen, Katastrophen und Gefahren Verantwortliche, Schuldige und abwehrenden Zauber. Seine Neigung, unter Stress die Verantwortung bei anderen und anderem zu suchen, führte zu Opferritualen einschließlich Kindes- und Menschenopfer an Götter, um Missernten abzuwehren und Mächte, die man hinter den Naturmächten vermutete, zu besänftigen und sich wohlgesonnen zu stimmen.
Uneingestandene Triebwünsche führten im Mittelalter zu Hexenhatz und -verbrennung, zu Verleumdungen und paranoiden Teufelsgeschichten, die als Problembegründung herhalten mussten. Einlassungen mit dem Teufel und faustische Bündnisse seien der Grund für Krankheiten, Unglück, Missernten, Katastrophen und Pestilenz.
Zumeist sahen die Ergebnisse der Inquisition grausamer aus als der Anlass selbst. Christlich etikettierte Kirchenklerikale glaubten sich im Recht über Leben und Tod zu wähnen und stellten sich im Namen Gottes über die Gebote „Du sollst nicht töten!“ und „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“ Und diese Triebe und Zusammenhänge sind keineswegs ausgestorben. Heute heißt der Großinquisitor Osama bin Laden und seine Inquisition Al Qaida. Der verbreitete Judenhass unter arabischen Nationen gleicht einer überdimensionierten Ablenkung von hausgemachten Wirtschaftsproblemen.
Für fundamentalistische Kommunisten ist das internationale Finanzkapital an allem Schuld. Und für neoliberal-fundamentalistische Kapitalisten sind Errungenschaften des Sozialstaates allesamt lediglich eine Pflege von Schmarotzertum.
Triebe, Wünsche, Gefühle und Interessen
Freuds Triebtheorie brachte etwas Licht in das Dunkel dieser Zusammenhänge. Unser Großhirn ist kein neutrales Beobachtungs- und Wahrnehmungsinstrumentarium, sondern wird von unserem Säugetierhirn, den Gefühlen von Freude, Lust, Angst, Wut und Trauer stetig beeinflusst.
Unsere Wahrnehmung ist interessengeleitet. Aus diesem Grunde ist auch eine Börse nicht mit mathematischen Formeln berechenbar. Denn psychologische Reaktionen auf Marktgeschehen lassen sich nicht mit exakten Zahlen berechnen. Und zum andern gäbe es Interessendifferenzen, denn die Finanzbörsen leben ja von Schwankungen. Würde eine einheitliche Bewertung von Marktwerten festgeschrieben, wäre das ausbeuterische Casinosystem beendet. Die menschlichen Suchtstrukturen lassen sich jedoch nicht so einfach bezwingen!
Projektion: Die Suche nach „schwarzen Schafen“
Nehmen wir das Beispiel der Dolchstoßlegende nach dem 1. Weltkrieg. Da es der deutschen Kriegsführung (OHL) schwerfiel, die Niederlage einzugestehen, hatte man schnell einen Schuldigen gefunden: Verschwörerische Juden und Linke hätten durch Sabotage die unbesiegbaren Truppen an der Front durch gezielte Aktionen geschwächt und im Bilde gesprochen, von hinten erdolcht. Sie sind die Schuldigen am Versailler Joch eines unerträglichen Reparationsdrucks und Verlusts industrieller Errungenschaften.
Verschwörungstheorien werden also nicht nur als alternative Erklärungsmodelle offizieller Wahrheitsversionen geboren, sondern offizielle Wahrheitsversionen sind mitunter mehr oder weniger bewusste Verantwortungsabwehr für menschlich gemachte Katastrophen und Verbrechen.
Wer hat sich also gegen wen verschworen? Was steckt hinter den Dingen?
Und unser altes Steinzeitgehirn sucht Ursachen hinter Katastrophen: Götter, Schuldige, Verantwortliche. Denn dann könnte man gezielt die Gefahren abschaffen, indem man die Götter gütig stimmt oder Verantwortliche zur Rechenschaft zieht. Und das prometheusische Streben des Menschen ist so alt wie die Menschheit selbst: Das Feuer will man bändigen, die Probleme in den Griff kriegen.
Andererseits existieren Verschwörungstheorien ja nicht nur als vom Großhirn ersonnene Begründungen für ein dunkles Verfolgungs- oder Schuldgefühl.
Als sich die Männer um und mit Stauffenberg zusammentaten, um den Psychopathen Hitler zu beiseitigen, der mit seinesgleichen eine ganze Welt in den Abgrund stürzte, hatte sich tatsächlich eine Gruppe mit einem zentralen politischen Ziel verschworen.
Und die Anschläge auf das World Trade Center, in das Herz des mächtigen Kapitalismus sind auch in der offiziellen Version eine Verschwörung der Terrororganisation Al Qaida gegen die Ungläubigen; gegen einen dekadenten Westen. Als wäre die islamische Welt auf ihre Weise nicht genauso dekadent wie der Westen, allein wenn man das Wahlbetrugsverhalten von Ahmadinedschad anschaut oder die materielle Dekadenz der saudischen Ölscheiche.
Und wenn die USA in den Irak einmarschiert, nachdem Saddam Hussein die Dollarbewertung des Öls aufzukündigen angedroht hat und sich von den Betreibern der Weltbank und US-Lobbyvertretern nicht weichkochen ließ, liegt der VERDACHT nahe, dass es sich hierbei nicht um einen prophylaktischen Krieg gegen den Terror handelte, sondern um die Sicherung der Fahrtüchtigkeit spritfressender Limousinen, Maschinen und Jets in den USA!
Fantasie und Wahnsysteme
Auch Schriftsteller, Journalisten und Filmproduzenten machen sich diese Eigenschaft unseres Gehirns, aus impressionistischen Fakten und historischen Fragmenten Thesen zu entwickeln und eine neuen überraschenden Geschichte zusammenzuzimmern, zunutze. Jeden Sonntagabend fragen sich viele Tatort-Zuschauer, was die Geschichte hinter der Geschichte wohl zutage fördern wird. Der Kriminalist in uns allen.
Beispiel „Verschlusssache Jesus“ und Sakrileg
Vor Jahren zimmerten die Journalisten Baigent und Leigh aus unzugänglichen Qumranfragmenten und gewisser vatikanischer Zurückhaltung, aber auch schlechten Recherchen den Weltbestseller „Verschlusssache Jesu“, in der sie nach dem Zusammentragen von ein paar Fakten ohne gründliche Recherche die Theorie präsentieren, dass das Christentum eine Erfindung des Apostel Paulus sei und Jesus lediglich ein mit Maria Magdalena verheirateter jüdischer Reformer ohne Gottessohnschaftsanspruch.
In ihrem Folgebuch „Das Vermächtnis des Messias“ verbreiten sie dann die These dass der künftige Herrscher Europas als „Blutsnachfahre Jesu“ der Freimaurer und Templer Otto von Habsburg sei. Dies wisse eine kleine Elite, maßgeblich die katholische Kirche, aber unterdrücke bewusst die Veröffentlichung der Fakten, um den Zusammenbruch des Christentums und der Kirche zu vermeiden, zugunsten von Macht- und Systemerhalt.- Kürzlich hat der Schriftsteller Dan Brown diese Thesen aufgegriffen, sie mit Bildern Leonardo da Vincis verbunden und daraus die These vom verheirateten Jesus und seinen Nachfahren fortgesponnen.
Freud hat schon recht: Der eigene mächtige Sexualtrieb kann doch bei Jesus, seinem Vater und seiner Mutter nicht anders gewesen sein!(?) Warum also soviel religiöser Triebaufschub und Triebstau betreiben? Also muss eine Legitimation her. Und schwupp - war der Christentumbegründer verheiratet.
Na endlich kann man die Moral hinter sich lassen! Und ein Kassenschlager war auch so gut wie garantiert. Geil! Dies also die Theorie zum Verschwörungstheorieinteresse von Baignet und Leigh, die ja noch ernsthaft das Christentum ins Wanken bringen wollten. Brown hingegen macht das Fabulieren einfach Freude. Dazu steht er ganz offen.
Beispiel: Sakrileg und die Mondlandungsverschwörung
Während Dan Brown eine nicht neue Verschwörungstheorie um ein paar eigene Ideen zugunsten einer spannenden Bettlektüre bewusst erweiterte, sieht es bei Leuten die, die Anschläge auf das WTC als „own job der USA“ ansehen, wie ihr Sprachrohr Alex Jones oder mit Mondlandungsungläubigen wie Bill Kaysing schon anders aus: Sie glauben, was sie da von sich geben.
Bei einem echten paranoiden System ist das Mißtrauen gegenüber den eigenen Thesen gänzlich verloren gegangen. Die projektive Beobachtung ist komplett, die kritische Selbstbefragung im eigenen Schatten, wie es Jung beschreiben würde. Komplett verdrängt. Man misstraut nicht mehr der Geschichte, die man aus den Fakten konstruiert hat.
Die Brücken werden nicht mehr auf Haltbarkeit wirklich gründlich abgeklopft. Das Großhirn sucht selektiv nur noch die Fakten heraus, die das eigene Denkgebäude bestätigen, untermauern und zementieren. Aus einer These wird eine subjektive Wahrheit meist unbewusst konstruiert und dann als objektive Wahrheit verkündet.
Endlich ist die dialektische Spannung weg und man hat recht. Uff! die Psyche und das Hirn haben sich einen Ausweg aus unauflösbaren Widersprüchlichkeiten geschaffen. Der innere Druck weicht einer Erkenntnis. Einer Pseudoerkenntnis. Manchmal auch einer echten. Aber da muss man sich schon auf das Poppersche Falsifikationsprinzip einlassen, wenn man wissenschaftlich korrekt bleiben will: Eine wissenschaftliche Theorie gilt nur so lange als richtig, bis ein widersprechender Fakt sich zeigt.
Die Begründung verschiedener Lichtquellen aufgrund der Schatten auf den Mondfotos bei Kaysing beispielsweise als Indiz dafür, dass die NASA die Mondlandung im Studio gedreht hätte, kann man schon dadurch widerlegen, dass sich zwei Leute in ein paar Metern Abstand zueinander in unebenem Gelände einfach mal vor eine einzige Lichtquelle stellen und ein Foto schießen. Schon stimmt Kaysings angeblicher Fakt nicht mehr, weil Schatten dann auf dem Foto in verschiedene Richtungen laufen. Aber wer für sein Weltbild eine verlogene USA braucht, wird immer wieder Gründe für diese Verschwörung der NASA finden.
Ebenso seien einige Namen der Attentäter vom 11. September als herumlaufende Personen in Saudi Arabien aufgetaucht und das untermauere die These einer Verschleierungstaktik der US-Führung. Dass unter den Attentätern Namen wie Maier, Müller, Schulze im Arabischen existieren und Doppelungen und Ähnlichkeiten dann offiziell korrigiert wurden, hindern Leute wie von Bülow noch im Frühling 2003 nicht, immer noch als Fakt zu behaupten, die Attentäterliste der US-Regierung kurz nach den Anschlägen sei bewußt gefälscht und die Leute würden frei herumlaufen.
Beispiel: Buch und Hörspiel „Offenbarung 23“
In der als Hörspiel im Lübbeverlag, veröffentlichten Buchfolge „Offenbarung 23“ von Jan Gaspard (Pseudonym – warum?), im Bastei-Lübbe-Verlag erschienen (hat auch Verschlusssache Jesus, Vermächtnis des Messias und Sakrileg veröffentlicht – mag wohl solche Kassenschlager, die auch dem bildzeitungsvergleichbaren Ruf dieses Verlags entsprechen…) greift der Autor die diversen Verschwörungstheorien auf, nicht jedoch, um sie zu hinterfragen, sondern wieder jenes Gefühl weiter zu pflegen, dass hinter großen Ereignissen wie der Mondlandung und auch den Börsenentwicklungen abgesprochene Machenschaften von Verschwörern stecken denen man nur mit Mühe auf die Schliche kommen könne.
Die Finanzkrisen– Folgen einer Verschwörung?
So muss beispielsweise eine schwarze Tulpe als Codex für eine Geheimbotschaft an angeweihte Börsianer herhalten, in der die Anweisungen für Kauf und Verkauf von Wertpapieren enthalten sind, so dass sich die Kurse wie von den Verschwörern gewollt entwickeln und ihnen große Gewinne verschaffen, während sie der Allgemeinheit durch die künstlich erzeugten Finanzkrisen schaden.
Dass die momentane Finanzkrise eine von Menschen erzeugte Krise ist, die nicht wie ein Unwetter über Nacht über uns hereinbrach, darüber sind sich die Fachleute einig. Dass der Crash jedoch gezielt zu diesem Zeitpunkt angestossen wurde, sind wiederum die Mythen der Verschwörungstheoretiker. Bestimmt stecken Templer, Scull and Bones, die Bushs, die Freimauerer und finstere Orden dahinter. So mutmaßen manche.
Synchronizität eines maßlosen Systems!?
Dass sich jedoch Investmenterbanker und Bankenvorstände einfach in ihrem Profitstreben wie ein Ei dem andern gleichen, liegt nahe. Wozu sollte man sonst den ganzen Tag mit Zahlen und Papierscheinen rumdoktern? Das ist weitaus langweiliger als ein Fahrrad zusammenzubauen oder Kartoffeln anzubauen.
Es ist nur dadurch interessant, dass Papierscheine sich in reale Wertgegenstände und werthafte Dienstleistungen umtauschen lassen. Und so entsteht eine logischere Synchronizität des Handelns der Geldmarktzentren der Welt als sie Carl Gustav Jung als immer wieder auftretendes Phänomen wahrnahm und in seine psychologische Theorie vom individuellen und kollektiven Bewusstsein einbezog.
Rupert Sheldrake postulierte unfassbare Informationsfelder, die zum Beispiel Fisch- und Vogelschwärme synchron fliegen und ihre Richtung verändern lassen. Ob es diese Felder gibt oder nicht, Fischschwärme haben die Fähigkeit, urplötzlich wie ein einziger Organismus ihre Richtung zu ändern und zu reagieren. Es ist faszinierend, dies zu beobachten. Und genauso vermögen Börsenschwärme, die durchaus weltweit seismografisch und gleichzeitig im Nullzeittempo die Bewegungen auf den Weltmärkten registrieren und initieren, in Synchronizität aufzutreten, mal von der jeweiligen Ortszeitverschiebung abgesehen, denen auch die Börsen rund um den Globus Rechnung tragen müssen.
Es ist überhaupt keine geheime Verschwörung nötig, wenn die Lobby der Neoliberalen und der Raubtierkapitalismusgewinner alles daran setzen, dass die Marktregeln so gelten oder umgangen werden, dass sie sich daran krankbefriedigen können.
Monopoly-Spiel
Es ist wie beim klassischen Monopolyspiel: Hat man erstmal die Regeln akzeptiert und spielt mit, bleibt nichts anderes übrig, als Monopolyst werden zu wollen. Dem Sinn des Spiels wäre es absolut kontraproduktiv, wenn man plötzlich den Mitspielern den Vorrang lassen würde, seine Schloßallee billig verkaufen oder gar verschenken würde oder man einen Mitspieler finanziell zinslos unter die Arme greifen würde. Dazu bräuchte man ein anderes Spiel.
Ich beobachtete das Monopolyspiel einmal bei einer vierköpfigen Geschwisterschar. Der clevere Älteste bezog noch zusätzliche Schuldverschreibungen in das Spiel mit ein und zockte seine Geschwister so lange ab, bis er zwar absoluter Monopolyst war, sie hingegen einfach aufstanden, hinausgingen und nicht mehr mitspielten. Der immense Gewinn des einen drängte die anderen in eine nicht mehr umkehrbare Verschuldung.
Die Finanzkrise war da und man ging hinaus. Sie hätten noch nachweisen müssen, dass die Schloßallee und auch einige andere Straßenzüge komplett überbewertet waren und die Zahlen auf den Geldscheinen nicht stimmten, dann hätte das Spiel die heutige Finanzkrise strukturell schon nachgebildet. Nur dass die Welt zur Zeit noch nicht aufsteht und hinausgeht, weil sie das Spiel satt hat.
Das bedürfte doch etwas mehr an Arbeitsaufwand und politischem Gestaltungwillen und -geschick als im Spiel. Denn das größere ganze Universum, außerhalb des Spiels müsste erst einmal deutlicher erkannt und definiert werden. Viele leben ja so, als könnten sie sich außerhalb des Finanzsystems bewegen. Mitten in der Finanzkrise. Die, die davon Nachteile haben, besonders die wirklich Armen und Elenden hingegen nicht mehr.
Realitätsverlust im Mikrokosmus der Monopolywelt
Nun gestalten sich die Zentren der Finanzwelt als dermaßen von sonstigen sozialen Realitäten ferne Welten, dass es einfach ein Normales ist, dass man mitten im Spiel vergisst, welche Realitäten man damit eigentlich außerhalb des person- und firmeneigenen Gewinn erzeugt. Da ist der Broker an der Wall Street nicht anders strukturiert als der Homo Erectus im Neanderthal: Der Vorteil für den eigenen Stamm zählt, sonst nichts. Was interessieren andere Stämme oder Tiergruppen? Die sind zum Teil bedrohlich oder einfach zu weit weg von der eigenen Welt! Und den einfachen Anleger interessiert auch nicht das Gebahren seiner Hausbank, wie es die Sprache so schön beschreibt, solange er sich auf die Hausbank verlassen kann.
Inzwischen muss sich schon der Kleinanleger mit der Funktion von Hedgefonds, Derivaten und CDOs und CDS’s beschäftigen, weil seine Stammesfürsten ihn betrogen haben. Die Hausbank hat Schindluder mit der Arbeit des Homo Proletarius getrieben. Die Welt ließ es zu, dass die Homo Economii ihre Alphatiere wurden mit den Börsenparketten als ihrem Herzen!
Die offensichtliche Verschwörung der Finanzwelt
Die Intelligenz der Broker, Banker, Versicherer und sonstiger Finanzdienstleister hat sich tatsächlich gegen den Rest der Welt verschworen. Die Verschwörung lautet: Wie berauben wir legal die Wertschöpfungen der Arbeiter und Unternehmen dieser Welt? Und insofern sind die Broker an der Wallstreet, in der Londoner City, in Frankfurt, in Tokio, in Hongkong und anderswo tatsächlich moderne Raubritter.
Beispiel: David Einhorn gegen Lehman und Merryl Lynch
Einhorn wirkt nett. Doch Gegner behaupten, er hätte Lehman Brothers und Lynch auf dem Gewissen.
Er gehört zu den sogenannten Leerverkäufern, den „Short Sellings“ und „Naked short Sellings“. Er hätte als Hedgefondsmanager so lange in spekulativer Wette gegen diese Banken gezielt gearbeitet, bis es sie nicht mehr gab. Bereits 2007 hat er eine Liste zusammengestellt mit 25 Finanzkonzernen, die er für überbewertet hielt. Mit seinem Hedgefonds „Greenlight Capital“ hätte er solange geliehene Aktien verkauft, bis der Kurs von Lehman absackte. Anschließend habe er die Aktien wieder an die zurückgegeben, die sie ihm geliehen haben und die Differenz als Gewinn eingestrichen.
Bei sogenannten Nacktverkäufen läuft der Handel ohne die Aktien jemals zu Gesicht zu bekommen. Lehmans Chef Fuld setzt 2 Milliarden ein, um den gezielten und offenen Angriff abzuwehren – und – verliert. Ähnlich bei Morgan Stanley und J.P.Morgan und Bear Stearns. Merryl Lynch rettet sich in die Arme der Bank of America. Doch diese Seller sind nur die entkleidete Gier, die die andern Investmentbanken in ähnlicher Weise antreibt.
Und die Aufseher, der SEC beispielsweise, lassen ein Geschäftsmodell zu, bei dem grundsolide Unternehmen in den Bankrott getrieben werden können. Fällt ein Aktienkurs, verlieren Banken das Vertrauen und das, worauf der Short Seller spekuliert, passiert: Der Konkurs! Lehmann pleite, die andern wackeln. Anschließend weist Adam Eva die Schuld zu und die wiederum gibt der Schlange (= dem System) schuld. Der Mechanismus ist so alt wie die Menschheit! Doch in der Lust auf die verbotene Frucht spielten alle mit.
Christliche Finanzkrisen-Tsunami-Deutung
Wenn die Buch- und Hörspielreihe sich Offenbarung 23 nennt, dann in Anlehnung an das letzte Buch der Bibel, der Offenbarung, auch Apokalypse genannt, das mit dem zweiundzwanzigsten Kapitel endet.
Und hier wie in anderen Büchern der Bibel wird von einer himmlischen Verschwörung gegen Gott erzählt: Luzifer und seine Anhänger rebellieren gegen die Herrschaft Gottes. Der Austragungsort dieser Rebellion ist die Erde. Der Reformator Luther formulierte es so: „Der Mensch wird geritten, von Gott oder vom Teufel.“ Die Offenbarung beschreibt die letzten Kämpfe der Rebellen und ihrer Anhänger gegen die Gottesdiener. Selbst von Gott und dem himmlischen Christus ausgelöste Plagen hindern nicht den anhaltenden Handlungsstil der Rebellen, sich dem stärkeren Gott zu widersetzen anstatt sich zu unterwerfen.
Ihre Gier und Geilheit ist ihnen bedeutender. Kaufen und Verkaufen, Handel treiben, Materialismus und darin enthaltene Ausbeutung, Übervorteilung und Mordtaten sind ihnen wichtiger als sich in ein göttliches Ordnungssystem der Gerechtigkeit und der Maßhaltung einzufügen. Als Hure Babylon wird die Hauptstadt der Rebellen beschrieben. Es ist die historisch symbolträchtige Hauptstadt der Babylonier, deren Kulte anders aussahen als die des Jahwekultes der Juden. Die Zweistromland-Kulte beinhalteten auch Menschenopfer und Tempelprostitution.
589 v.Chr. deportierten die Babylonier das jüdische Volk Israel aus ihrem Land hinweg in diese Welt hinein. Es schien, als hätte der babylonische Gott über den jüdischen Gott gesiegt. In symbolträchtigen Deutungen transzendiert der Schreiber der biblischen Offenbarung diesen Zusammenhang in seine damalige Moderne, in der es um die Auseinandersetzung eines Kaiserkultes im römischen Reich mit dem jüdischen Gottesglauben ging und scheinbar auch wieder die Gottesrebellen die Oberhand hatten. Israel war römisches Protektorat und sein kultisches Zentrum.
Der Tempel in Jerusalem wurde im Jahr 70 n.Chr. endgültig zerstört. So fragt sich ein jüdischer Schreiber, der auch noch von den Römern aufgrund seines nunmehr christlichen Glaubens auf der Insel Patmos in Verbannung leben muss, ob denn die Gottesrebellen die Oberhand gewinnen. Große mythische Visionen und Auditionen geben ihm die Antwort. „Babylon, die Mutter der Huren und aller Abscheulichkeiten der Erde“, „die Hure, die an vielen Gewässern sitzt“ und mit der „die Könige der Erde ihre Unzucht getrieben haben“ und von „deren Hurenwein die Bewohner der Erde betrunken wurden“, (Offb. 17) verordnet für alle einen tätowierten „Bar-Code“, die in ihrem Sinne mitspielen wollen. Die andern haben keine Chance mehr.
„Denn vom Zornwein von Babylons Unzucht haben alle Völker getrunken, und die Könige der Erde haben mit ihr Unzucht getrieben. Durch die Fülle ihres Wohlstands sind die Kaufleute der Erde reich geworden.“ (Offb. 18,2)
Das klingt sehr nach dem neoliberalen Finanzspiel der Banker und Kapitalisten dieser Welt. „Denn bis zum Himmel haben sich ihre Sünden aufgetürmt und Gott hat ihre Schandtaten nicht vergessen…. Im gleichen Maß, wie sie in Prunk und Luxus lebte, lasst sie Qual und Trauer erfahren!“ Und weiter: „Die Kaufleute, die durch den Handel mit dieser Stadt reich geworden sind, werden aus Angst vor ihrer Qual in der Ferne stehen und sie werden weinen und klagen…In einer Stunde ist dieser ganze Reichtum dahin!“ Finanzkrisentsunami?
Dann zeigt ein Engel, wie mit der Wucht eines geworfenen Mühlsteins diesem Treiben Babylons ein Ende gesetzt wird: „Deine Kaufleute waren die Großen der Erde, deine Zauberei verführte alle Völker. Aber in ihr war das Blut von Propheten und Heiligen und von allen, die auf der Erde hingeschlachtet worden sind“ (Offb 18, 23).
Der Finanzkrisentsunami wäre in diesem Sinne ein erster Schlag Gottes gegen die Rebellenarmee, der sich die Ausbeuter angeschlossen haben. Gott hat sich gegen die verschworenen Rebellen verschworen. So die Aussage der Offenbarung. Nicht ein paar Verschwörer, wie beispielsweise die Angreifer auf Lehman Brothers oder Morgan Stanley sind die eigentlichen Verschwörer. Gott selbst ist und bleibt Chef der Weltgeschichte und die Rebellen verlieren mitsamt ihren gehorteten Schätzen.
Möglicherweise spüren die, die nach dem tieferen Zusammenhang suchen, einen Zusammenhang, der im metaphysischen Bereich liegt. Dann ist auch das Ende klar: Die neoliberalen Ausbeuter haben keine Überlebenschance. Das göttliche System der Gerechtigkeit wird durchgesetzt werden. Gegen allem äußeren Anschein. Die Unterdrückten werden rehabilitiert. „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen..“ (Offb. 21,4)
Wenn es denn stimmt. Die einen glauben es, die andern werden sehn, was kommt! Die Glaubenden auch. Wer’s glaubt, wird selig!
© Autor: Harald Schuster
