Goldman-Sachs, Datenklau und die Computer-Goldesel der Finanzkrisen-Zocker!

Die US-Investmentbank Goldman-Sachs machte im 2. Quartal diesen Jahres 2,7 Milliarden Dollar Gewinn und hat im Juni 10 Milliarden geliehene Staatsgelder komplett zurückbezahlt.
Gleichzeitig geriet der Vorstand in Panik, weil angeblich ihr ehemaliger Programmierer Sergej A. das Hoch-Frequenz-Trading-Programm auf den deutschen Server von Teza Technologies LLC geparkt und somit gestohlen hätte. 70 % des täglichen Wertpapierhandels funktionieren in den USA computerautomatisiert.

Maschinen verdienen das Geld. Mit nichts anderem als Programmen und superschnellen Computern, die fähig sind, Wertpapier-Wertschwankungen in Mikrosekundenschnelle zu registrieren und sofort mit Käufen und Verkäufen automatisiert zu reagieren. Wenn Otto-Normalverbraucher ein wenig Online-Banking betreibt, betreiben diese Maschinen vollautomatisch und effektiv zwei Drittel des Wertpapiergeschäfts.

Ihre Strippen hängen direkt an den Herzen der Weltbörsen und werden zeitgleich mit Informationen über Kursentwicklungen informiert. Ein ausgeklügeltes Computerprogramm kann dann nicht nur gewinnbringend reagieren, sondern durch gezielte großangelegte Käufe und Verkäufe sogar Kursschwankung erzeugen und dadurch weiteren Gewinn machen.

Gewinnbringend kaufen und verkaufen mit allen Regeln der Brokerkunst, eingesponnen in Binärcodes für intelligente Maschinen. HFT ist das Zauberwort, high frequency trading (=Hochgeschwindigkeitshandel).

Wenn der Broker-Roboter seine Arbeit erledigt, kann sich sein Eigentümer im Restaurant nebenan entspannen, wären da nicht die „Terrororganisationen „Datenklau & Hackergroup“! Computerfreaks und -clubs aller Welt sind neugierig auf die Möglichkeiten der New Technology, nicht nur wegen der New Economy, Nasdaq und Geldgewinnchancen, sondern auch weil Computerfreaks eben jederzeit offen für einen Flow sind, ein Hochgefühl, das sich einstellt, wenn man ein Problem geknackt hat oder man nachvollziehen kann, wie andere ein Problem lösten.

Intelligente Automatisierung des Handels
Nicht mehr menschliche Tradingfertigkeiten sind gefragt, sondern Programmierer, die den erfolgreichen Broker in nimmermüde eckige Kästen zaubern. Und diese Kästen verlangen keine Boni, werden kaum krank und verzichten auf menschliche Stimmungsschwankungen.

Die Goldman-Sachs Group Inc. Investmentbank wusste, warum es in die Programmierung eines speziellen Trading-Programms investierte: Selbst ein paar Millionen für ein solches Programm hätte sich in Kürze amortisiert. Willkommen in der schönen neuen Welt des Trading-Kampfes der Computerprogramme. Nur haben diese noch weniger ethische Probleme und Interesse an Welfare für die Menschheit als Broker. Die Zielprogrammierung dieser Programme lautet: Gewinnspannen gnadenlos nutzen! Rausholen aus den Trading-Floors, was geht.

Als der Schachcomputer ‘X3D Fritz’ im trüben November des Jahres 2003 den Schachweltmeister Jury Kasparov im zweiten Spiel zunächst bezwang, horchte die Welt auf. Nun verfolgt die Welt, allen voran die Wall-Street, die angebliche Entführung der Trading-Software von Goldman Sachs. Und zum erstenmal ahnt eine ahnungslose Welt, was hier los ist:
Ein Finanz-Computerspiel spült das Gold aus der Realwirtschaft heraus.

Solange man den Mitspieler fürs Gewinnen braucht, läßt man ihn leben. Doch wehe, wenn ein Computerprogramm errechnet, dass es sich lohnen würde, zum Beispiel auf diese oder jene Weise für einen angesetzten Gewinn die Bank of America oder einen Tigerstaat in den Ruin zu führen. Warum sollte ein Computerprogramm das nicht tun?

Ein Computerprogramm würde auch eiskalt oder siedend heiß, wie auch immer der Prozessor da sich anfühlen würde, einen Atomkrieg veranstalten, wenn es entsprechend programmiert würde. Da kennt so ein Programm nichts. Und ein beauftragter Softwareproduzent müsste dafür nicht haften. Denn er hat ja nur eine Plattform bereitgestellt. Entscheidend ist dann die Ethik des Auftraggebers.
Goldman-Sachs hat zur Basis: Solide Gewinne machen im Rahmen des Gesetzlichen. Was soll daran unmoralisch sein?

Geschichte von Goldman-Sachs
Davon hätten die Gründer Marcus Goldman und sein Schwiegersohn Marcus Sachs und deren Väter, einfache fränkische Mittelständler, nicht zu träumen gewagt. Wall-Street made in Germany. Dorthin kehrte die fleissige Handelssoftware 5 Generationen später (Goldman Sachs, gegründet 1882) nun zurück.

Doch die Kämpfer gegen den Software-Nibelungen-Raub sind in der virtuellen Normandie schon gelandet. Während die Weltöffentlichkeit noch einmal die Taten der „Kriegsbeute“ Wernher von Braun und den Flug seiner Appollo11-Konstruktion zum Mond vor 40 Jahren bewundert, schaffen andere Krieger Beute durch die unterseeische Kabelvernetzung in Sekundenschnelle rund um die Welt. Diesmal eben Sergej A. den Goldman-Sachs-Computer-Goldesel nach Deutschland. Angeblich. Der Erbeuter zwar am Flughafen abgefangen. Aber was ist mit der Beute selbst? Noch prüft US-Staatsanwaltschaft und Verteidigung die Anschuldigungen.

Goldmans aktuelle Finanzkrisengeschichte
In der Finanzkrise wurde Goldman Sachs dann eben mal von einer Investmentbank zum Finanzdienstleister, der Großunternehmen und reiche Privatkunden bedient. Anfang 2007 quittierten die Goldmänner einen Gewinn von 9,54 Milliarden Dollar aus 2006. Als Goldmanns Hedgefonds „Global-Equity-Opportunities-Fonds“ im Krisenjahr 2008 gegen die Wand fuhr, brauchte Goldmann eben mal 6 Milliarden, die Hälfte davon brachte Goldman Sachs selbst auf.

Dennoch benötigte Goldman Sachs im weiteren Verlauf der Finanzkrise 2008 etwa 10 Milliarden Dollar Stütze vom Rettungspaket des US-Staats. Im Juni 2009 nun zahlten sie das Geld an den Staat eben mal zurück. Wie das geht, versteht ein Normalsterblicher nicht. Doch der Sinn ist klar: Damit man in Freiheit das Casino-Spiel weiterbetreiben darf.
Bitte, bitte keine Boni-Beschränkungen wie vom G-20-Gipfel gefordert. Wäre ja schade, wenn das gewinnbringende Computerprogramm vielleicht seinen gesamten Gewinn in den Dienst des Sozialamtes stellen müsste und die 10% Arbeitslosen in den USA in vernünftigen Verhältnissen leben könnten. Auweia! Was für eine Katastrophe wäre das denn! Das wäre ja ein symbolischer Angriff auf die Freiheitsstatue. Die eine.

Die vielen Unfreien Statuen daneben sind in diesen Bankerkreisen egal. Bloß keine Vorschriften, die dem volkswirtschaftlichen Gemeinwohl nützten. Lieber Kongressabgeordnete schmieren und ködern, sofern sie nicht schon selbst neoliberale Kinder sind.
Nun geht es wieder um das schnelle Geld. Von Neuem. Bahn frei für die Zocker. Nichts geiler als das. Egal, was mit Schwellenländern oder Volkswirtschaften passiert. Hauptsache raus aus der eigenen Krise und Business as usual.

Robin Hood oder schlitzohriger Hacker?
Und nun kommt der dreifache Familienvater Sergej daher und klaut angeblich das Goldman-Goldeselprogramm. Mit dem Programm ließen sich Weltmärkte bewegen. Und damit auch den Weltuntergang inszenieren.

Die Realität schreibt eine phantastische Drehbuchvorlage für Hollywood. Ein Maschinenprogramm, mithilfe dessen man einen wirtschaftlichen Doomsday erzeugen könnte. Zwar hat das FBI Sergej kurz gefaßt, dann kam er auf Kaution wieder frei, aber wo die Software gerade sonst noch kursiert, ist nicht bekannt. Angeblich landete sie beim Klau ausgehend von Sergejs Bürozimmer bei den Goldmännern durch den Atlantik gejagt, auf dem deutschen Server von Teza Technologies LLC. Ihre Festplatten wurden kurzerhand beschlagnahmt.

Eventuell ein unschuldiges Opfer. Eventuell aber auch Teil eines ausgeklügelten Plans, den Kriminalitätsnachweis auszuschalten. Was bis zur Beschlagnahmung kopiert wurde oder wohin eventuell ein Datenpuzzle-Spiel überall unauffällig geparkt wurde und später heimlich wieder zusammengesetzt werden kann, weiß keiner so genau. Sergej A. selbst behauptet, er hätte lediglich open-source-Dateien(=freie Software) kopiert. Staatsanwaltschaft und Verteidigung streiten sich. Wie könne einem Computerspezialisten so einfach der Klau eines so mächtigen Weltfinanz-Trading-Programms gelingen?

Aber man kann auch mit Teppichmessern Flugzeuge kapern. Hat denn die Welt immer noch nicht begriffen, dass es keine Sicherheit vor krimineller Energie gibt? Bräuchte so ein Staatsanwalt vielleicht ein bisschen Nachhilfe in Hacking-Methoden? Dann würde er begreifen, wieviel offene Scheunentore allseits in Computerwelten existieren! Andererseits ist die Beraubung eines Räubers ein Grund zum Lachen. Es klingt fast nach einer Robin-Hood-Tat: Ein Software-Spezialist läßt die Weltcasino-Mafia-Methoden auffliegen! Prost „Finanzkrisengeschändete“!

© Autor: Harald Schuster

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