General Motors muss kapitulieren und ruft nach dem Staat
Neusten Meldungen zufolge steht General Motors, der Mutterkonzern des Autoherstellers Opel, vor der Insolvenz.
Sechs Manager von GM verkauften ihre eigenen Anteile letzten Freitag, 200.000 Aktien, zu einem Preis von etwa einem Euro das Stück. Das gilt als sicheres Indiz, daß hier die Insolvenz sich abzeichnet. GM wünscht nach Erwägung unterschiedlichster Sanierungskonzepte nunmehr eine Verstaatlichung.
GM wurde 1908 gegründet und stieg mit der Entwicklung des Automobils zum Weltkonzern auf. 1932 wurde Opel endgültig von General Motors übernommen und eine 100prozentige Tochter des amerikanischen Unternehmens! 1955 setzte GM als erstes amerikanisches Unternehmen mehr als eine Milliarde US-Dollars um.
GM beschäftigte etwa 190.000 Menschen in Amerika und mehr als 100.000 Menschen im Ausland. Noch 2004 erwirtschaftete das Unternehmen einen Gewinn von mehr als 400 Millionen US-Dollar. GM-Chef Wagoner bevorzugte den Bau von sprithungrigen Wagen.
Überraschend tauchte dann im Jahr 2005 eine unverhältnismäßiger Gesamtverlust von nahezu 11 Milliarden US-Dollar in der Bilanz auf. Nun beschloss GM, neun Werke zu schließen und 30.000 Arbeitsplätze abzubauen. Gleichzeitig sank der Aktienwert der GM-Aktie 2005 auf ein Rekordtief. Viele Wertpapiere und sonstige Papiere wurden seitdem hin- und hergeschoben. Doch verhindern konnten sie den Verlust von 2007 von über nahezu 40 MRD US-$ nicht.
Das Finanzkrisenjahr 2008 verhinderte dann endgültig eine Wiederauferstehung von General-Motors und erlitt erneut einen Verlust von über 30 Milliarden US-$, trotz Staatshilfen von 13,4 Mrd Dollar. 30 Milliarden US-$ Staatshilfe bräuchte man für 2009. Da ist selbst im Weißen Haus guter Rat teuer.
CEO (=chief executive officer = Generaldirektor) Rick Wagoner trat im März 2009 auf Drängen von US-Präsident Obama zurück. Sein Stellvertreter, Frederick Henderson, der dem europäischen Markt lange vorstand und auch „Fritz“ genannt wird, rückte auf den Chefsessel des GM-Konzerns.
Trotz aller Konzepte und Versuche, zu retten, was zu retten ist, rückt eine Insolvenz von GM in greifbare Nähe. Eine Zäsur mit chirurgischen Schnitten an den Armen des Kraken steht unmittelbar bevor. Denn Henderson bat die US-Regierung um eine Übernahme des Unternehmens.
Wo in den Jahren nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Diktaturen noch allerorten Privatisierung angestrebt wurde, bittet nunmehr 20 Jahre später ein Weltmarktführer-Autokonzern im Mutterland des freien Kapitalismus seine Regierung um die Freundlichkeit, sein Unternehmen zu verstaatlichen.
Am Beispiel GM überholt sich der Kapitalismus tatsächlich selbst, wie es ein bekannter deutscher Denker prophezeite!
© Harald Schuster
Tags: Finanzkrise, General Motors, Insolvenz, Opel
