Automobilkonzerne-Roulette in der Wirtschaftskrise
Der Vorstandschef der Fiat-Automobil-Aktiengesellschaft Sergio Marchionne kommt heute wegen der Wirtschaftskrise der Opel GmbH nach Deutschland!
Dass die Adam Opel GmbH aus Rüsselsheim im Rahmen der Finanzkrise wegen ihres insolventen Mutterkonzerns General Motors sich aktuell in Existenznöten befindet, ist in aller Medien Munde.
Dass Opel in der Wirtschaftskrise 1929 bereits Tochter von General Motors wurde, ist schon weniger bekannt. Dass wiederum General Motors bereits 2007 einen Verlust von nahezu 40 Milliarden US-Dollars verbuchen musste, ist fast schon Expertenwissen.
2007 begann es im Gebälk der amerikanischen Finanzwelt mächtig zu knirschen. Damit einher ging der Umsatzrückgang im Automobilverkauf bei GM. Gleichzeitig sank der Wert Ihrer Aktie massiv, was wie ein Brandbeschleuniger wirkte. Währenddessen schufteten die Rüsselsheimer Arbeiter in das bodenlose amerikanische Mutterfass und die Verwaltung Ihres eigenen Umsatzeinbruchs, bis Ihnen der Atem schließlich ausging.
Folgen der Finanzkrise und nunmehr allgemeinen Wirtschaftskrise.
Chrysler meldete kürzlich Insolvenz an. General Motors könnte nachziehen. Saab, die schwedische Tochter von GM, hat ebenfalls Konkurs angemeldet.
Die Opel GmbH als 100prozentige GM-Tochter steht ebenfalls vor dem Ende ihrer bisherigen Unternehmensorganisation, obwohl Opels Solidität weit höher gilt, als die Ihres Mutterkonzerns.
Hektisches Treiben im „Monopoly-Wettbewerbsspiel“ der Autogiganten ist seit Monaten auf den Tagesordnungen. Da Staat und Automobilindustrie fast überall verflochten sind, sind die Regierungen ebenfalls an diesem „Spiel“ beteiligt.
Am 17.04.09 meldete noch die süddeutsche Zeitung, dass Fiat kein Interesse an Opel hätte. Heute nun kommt der Fiat-Chef Sergio Marchionne nach Berlin, um mit Wirtschaftsminister zu Guttenberg (CSU), Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier und der Opel GmbH über den Bau eines neuen Autokonzerns als Aktiengesellschaft zu verhandeln.
Denn ohne staatliche Hilfe scheint ein Umbau der bisherigen internationalen Automobilkonzernverflechtungen im Angesicht der Wirtschaftskrise eher unwahrscheinlich zu funktionieren.
2004 lag FIAT noch ziemlich am Boden. Damals hatte sich noch GM mit 20 Prozent Anteilskauf an FIAT beteiligt. Dank des cleveren Managements von Fiat-Chef Marchionne und einer nachfrageorientierten Produkte-Entwicklung konnte sich FIAT wieder mausern und Anfang 2007 stand der Konzern wieder auf stabilen Beinen. Dann kam die Finanzkrise, die auch in Italien einschlug.
Heute ist der Fiat-Konzern mit 6,6 Milliarden Euro netto verschuldet. So die offiziellen Zahlen. FIAT will nun eine Ehe mit Chrysler eingehen, obwohl das schon Daimler tat und mit teuren Scheidungskosten büßte. Und gleichzeitig mit der Opel GmbH und mit Saab.
Marchionne träumt von einer Automobil-Aktiengesellschaft, die Rang 2 in der Automobil-Weltrangliste einnehmen soll. Megalomanie? Versuch einer Wirtschaftskrisen-Vorteilnahme oder solides wirtschaftliches Kalkül?
Fest steht, dass die Wirtschaftskrise zu einem Rückgang der Autokäufe geführt hat und die Abwrackprämie lediglich Kosmetik auf die Realität des Branchenabschwungs darstellt.
Ob die Krisensituation in dem Schlüsselwirtschaftsbereich „Automobil“ mit Fiat, Chrysler SAAB und Opel im Boot unter Ausschluss von GM eine günstigere Zukunft hat als mit anderen Lösungsmodellen, bleibt abzuwarten.
In jedem Falle müssen angesichts von Wirtschaftskrise und billigerer asiatischer Konkurrenz die Produktionskosten reduziert werden. Obwohl Opel das Fließband in der Automobilindustrie eingeführt hat, ist sein Stillstand noch nicht ausgeschlossen! Kurzarbeit, Lohnkürzungen und Entlassungen wird es geben. So oder so! Mit oder ohne Fiat!
Die Finanzkrise ist in der Realwirtschaft angekommen!
© Harald Schuster
Tags: Automobilindustrie, Chrysler, Fiat, Finanzkrise, Kurzarbeit, Lohnkürzungen, Opel, Wirtschaftsminister
