50.000 Karstadt-Beschäftigten droht Arbeitslosigkeit

Was Karstadt-Gründer Rudolph Karstadt im Mai 1881 begann, neigt sich im Mai 2009 dem Ende zu. Bereits 1929 wurde die Kaufhauskette durch die Wirtschaftskrise heftig geschüttelt. Die jetzige Wirtschaftskrise setzt dieses Erdbeben fort.

Der jetzige Eigentümer,die ‚Arcandor AKTIENGESELLSCHAFT’, kann unter den vorhandenen Bedingungen die Karstadt-Kaufhauskette nicht mehr weiterführen. Da die beantragte Staatsbürgschaft von 650 Millionen Euro und weiterer 200 Millionen erwünschter KfW-Kredite bislang abgelehnt wurden, muss die Karstadt GmbH laut deren Chef Karl-Gerhard Eick im Juni Insolvenz anmelden. Eine Schuldenloch von 1.000.000.000 Euro (= 1 Milliarde) am Ende des Krisenjahres 2008 droht das Riesenschiff in den Untergang zu reißen.

Bei einer Schließung der Karstadt-Konzerns mit Handels- und Tourismusbranche droht 50.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Arbeitslosigkeit und damit mindestens 100.000 davon betroffenen Menschen die private Wirtschaftskrise!

Fusionspläne mit der Kaufhof-Handelskette als Teilbereich des Arcandor-Konkurrenten METRO AG (beinhaltet REAL SB-Warenhäuser, Media Markt, Saturn, Galeria Kaufhof, Metro Cash&Carry-Großhandel) könnten nicht kurzfristig umgesetzt werden. Und ob eine solche Fusion eine Erholung von Karstadt zur Folge hätte, bleibt eine offene Frage. Eine Zusammenfassung würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu Stellenkürzungen führen.

Die Arcandor AG, die die schon länger kränkelnde Karstadt-Kaufhauskette 2007 als Muttergesellschaft adoptierte, muss heftige Aktienentwertungen ihrer Aktien verbuchen. Ist das verwunderlich? Ist dafür nur die Finanzkrise der USA verantwortlich?

Erst Fusionen, Erweiterungen, Anschlüsse, Ausweitungen, Ausgliederungen, Umstrukturierungen, dann Kernschmelze:
Neckermann, Quelle, Hertie, KarstadtQuelle NewMedia AG, GolfHouse GmbH, SinnLeffersKG, Thomas Cook KG, Karstadt Coffee GmbH, Versicherung KarstadtQuelle Financial Services, Übernahme von Deutschem Sportfernsehen DSF und Sport 1 von Kirch, Fitnessclubsübernahmen, Zusammenspiel mit REWE, METRO-Gespräche. K.O.!

Vereinfacht dargestellt, wurde ein Börsenriese namens Arcandor mit Einzelhandel, Versandhandel und Reiseunternehmen zu einem Aktienpaket zusammengeschweißt und ausgeweidet!

2004 tauchten erstmals dreistellige Millionenverluste auf! Führungswechsel. Wiederausgliederungen, Umstrukturierungen, Zusammenfassungen. Ergebnis 2009: Insolvenz! Übersetzt heißt Insolvenz: Unlösbar! Unlösbar?

Ein weiteres Geschiebe ist zu erwarten. Sicherlich werden am Ende nicht alle Häuser leerstehen. Aber Abhängig-Beschäftigte werden bluten müssen. Direkt oder indirekt. So funktioniert das Monopoly-Spiel.

Was haben die Manager und Geschäftsführer eigentlich an den Hochschulen studiert und in der Praxis gelernt? Betriebswirtschaftslehre? Was für eine Lehre war das? Haben hier viele Führungskräfte überhaupt kein Werte- und Verantwortungsbewußtsein für Menschen?

Wurden jemals die Reibungsverluste von Umstrukturierungen empirisch untersucht und berechnet?
Das Privatvermögen der Geschäftsführer wird jedenfalls bei Insolvenzen nicht angetastet. Das von Aktionären schon. Das der abhängig Beschäftigten erst recht. Schöne Bescherung ….

© Harald Schuster

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