20 Millionen Klimaflüchtlinge und 50 Tausend Arcandor-Beschäftigte

Nachrichtengewichtungen in den Medien

Lautstark behandeln alle großen Medien momentan die Karstadt-Krise, die Bedrohung von Arbeitsplätzen durch die Wirtschaftskrise, die verdrossene Wählerschaft bei der Europawahl, die Insolvenz von General Motors und die Opel-Rettung, die sich ohnehin erstmal als haltbar erweisen muß (wir berichteten). In nachrangigen Meldungen wird dann von 20 Millionen Klimaflüchtlingen zumeist sehr kurz berichtet. Auch die Journaille hat oft kurzfristige und weniger nachhaltige Interessen und Ziele.

Raubbau der Industrie

Gestern berichtete Report Mainz, dass die Firma „Pelikan“ in großem Umfang unter Regenwald-Schutz stehendes Raminholz in ihren Pinselprodukten verarbeitet hat. Pelikan konnte über Regenwald-Raubbau billig Holz aus Malaysia nutzen. Wirtschaftlicher Nutzen wird hier vor Regenwald-Schutz und damit Klima- und Lebensschutz gestellt.

Dies ist nur ein Beispiel unter vielen. Inzwischen verhält sich Pelikan wie ein reuiger Sünder. Doch wenn solche Umweltsünder immer erst Reue zeigen, wenn ihnen Strafen und eine aufgebrachte Öffentlichkeit drohen, werden sich die Wüsten, Überflutungen und Artensterben der Welt weiter ausbreiten.

Die Natur schlägt zurück
Die von Wirtschaftsinteressen erzeugte weltweiten zumeist negativen Klimaveränderungen treibt von Landwirtschaft unmittelbar abhängige Menschen in die Flucht vor dem Hungertod. Letztendlich sind alle Menschen von der Landwirtschaft abhängig.

Oft wird das in den Industrienationen, in denen man Essen selbstverständlich und in reicher Auswahl im Supermarkt kaufen kann, kaum noch beachtet. Hunger kommt in den Industriestaaten höchstens als bewusster Nahrungsverzicht für das Bodystyling vor.

Doch Menschen müssen nicht nur wegen Trockenheiten, sondern auch wegen des Abschmelzens von Gletschern und Polkappen, durch den Anstieg des Meeresspiegels und die Meereserwärmung flüchten.

Viele maledivische Inseln müssen in den nächsten Jahren wegen Überflutung geräumt werden. In Bangladesh werden Reisfelder durch Wasseranstieg und Versalzung zerstört und im indonesischen Pazifikraum droht das Wegsterben der Korallen und damit Nahrungsketten im Meer noch in diesem Jahrhundert. Doch nicht nur im Pazifik müssen Menschen ihren Lebensraum verlassen, auch in Deutschland sind Nordsee-Inseln zunehmend vor Überflutung gefährdet.

Kyoto – ein leeres Versprechen?
Klimafachleute stellten am Montag einen Entwurf für ein rechtsverbindliches Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls in Bonn im Rahmen der UNFCCC, der Klima vor. Das Kyoto-Protokoll und der Umgang der einzelnen Nationen reicht für den nachhaltigen Klimaschutz noch nicht aus!

Das Kyoto-Protokoll der Klimakonferenz in Kyoto/Japan von 1997, das unter anderem ein bedeutendes CO2-Emmissionsabkommen beinhaltete, stellte trotz aller Schwächen ein erstes völkerrechtlich-verbindliches Rahmenabkommen zum Klimaschutz dar, trat 2005 in Kraft und läuft 2012 aus.

Die Verbrennung fossiler Brennstoffe zur Erzeugung von Energie für Industrie, Wirtschaft, Verkehr und Haushalte bewirken den inzwischen anerkannten Treibhauseffekt. Die reichen Nationen sind die hauptsächlichen Klimaschäden-Verursacher, die armen Nationen zumeist die Leidtragenden.

Die Maßlosigkeit der Industrienationen in diesem Rahmen ist dieselbe Maßlosigkeit, an der an Börsen mit den Energievorräten der Welt und der Energieerzeugung gehandelt wird.

20 Millionen Menschen auf der Flucht vor Klima-Wirtschaftskrise
Die Wirtschaftskrise als Ergebnis menschlicher Gier und Maßlosigkeit wird aus derselben Quelle gespeist, mit der die Ausbeutung der Erde stattfindet. Etwa 20 Millionen Menschen sind aus politischen und wirtschaftlichen Gründen weltweit auf der Flucht. Und die andere Hälfte bereits aus Klimagründen. Die Folgen des Klimawandels zwingt aktuell 20 Millionen Menschen in die Flucht aus ihrer Heimat. Laut Greenpeace werden es in den kommenden Jahrzehnten 200 Millionen Menschen werden.

Arcandor, das Weltklima und die Geschädigten
Diese Katastrophe ist schlimmer, als wenn Arcandor Insolvenz anmelden muss und durch anschließende Umstrukturierungen möglicherweise 10.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Das Mitgefühl für das Leid der Welt entbindet natürlich nicht von der Verantwortung für den Nachbarn. Aber warum sollte man nicht auch mal Äpfel mit Birnen vergleichen?

Und da fällt eine Parallele zwischen Arcandor und dem Weltklima ins Auge: Falsche Ziele, schlechtes Management und Habgier!
Wann wachen wir auf?

© Autor: Harald Schuster

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